Wasser: Unentbehrlich für Pflanzen



Wo die Sonne viel scheint, liegt die Trockenheit auf der Lauer. Wir geben Tipps, wie Sie mit Erfolg diesem sommerlichen Wasserproblem Herr werden können.

Pflanzen setzen sich zum größten Teil aus Wasser zusammen. Einer Tulpenzwiebel z.B. besteht zu 59,2% aus Wasser. Der Wasserstrom führt durchgehend von den Wurzeln zu den Blättern. Die von den Wurzeln aufgenommenen Nährstoffe befördert es an ihren Bestimmungsort. Darum muss immer genügend Wasser vorrätig sein. Pflanzen machen selbst aus anorganischen Stoffen Wuchsstoffe, wobei die Wurzeln und Blätter eine sehr wichtige Rolle spielen. Über die Wurzeln wird Wasser mit den darin vorhandenen Salzen aus dem Boden aufgenommen. Mit den Blättern wird Kohlenstoff aus der Luft geholt. So baut die Pflanze alles wichtige organische Material auf.

Lassen Sie die Gegebenheiten Ihre Wahl bestimmen

Eine allgemeingültige Regel, die man bei der Planung der Bepflanzung (die Auswahl von bestimmten Pflanzen für Ihren Garten) beachten sollte, darf nie aus den Augen verloren werden.
Diese lautet: Passen Sie die Pflanzenauswahl dem Boden an, über den Sie an Ort und Stelle verfügen. Das gilt für viel oder wenig Nährstoffe, Sonne oder Halbschatten, aber auch für trockenen oder eben feuchten Boden. Es gibt so viele Pflanzen, die auf trockenem (und meistens auch nährstoffarmem) Boden ausgezeichnet gedeihen, sodass nur allein mit diesen Sorten fantastische Beete gestaltet werden können. Es hat absolut keinen Sinn, eine durstige Seele, wie die Astilbe, in einen Garten zu Pflanzen, in dem der Boden von Natur aus trocken ist. Es gibt genügend Alternativen: Sedum (Fettpflanzen), Sempervivum (Hauswurz), Solidago (Goldrute), Nepeta (Katzenminze), Eryngium (Edeldistel) und Malva (Malve).

Pflanzen, die Trockenheit vertragen können, stehen meistens auch gern in der Sonne. Der Standort der Pflanzen, ob sonnig oder schattig, spielt eine außerordentlich wichtige Rolle bei der Menge der Wasserverdunstung.
Es gibt Pflanzen, die in Gebieten, in denen beinahe kein Regen fällt, zu überleben wissen. Kakteen und andere Fettpflanzen z.B. sind wirkliche Trocken-Spezialisten. Pflanzen, die in äußerst trockenen Gebieten vorkommen, haben zwei Möglichkeiten: Sterben oder dafür sorgen, dass sie der Trockenheit trotzen können.

Feuchtigkeit speichern und lagern

Feuchtigkeit speichern und lagern ist eine Art, wie Pflanzen überleben können. Allgemein wird angenommen, dass Sukkulenten aus gewöhnlichen Pflanzen entstanden sind, die unter 'normalen' Umständen wuchsen. Durch die Veränderung des Klimas waren sie gezwungen sich zu verändern. Pflanzen, denen es nicht glückte, sich an die neuen Gegebenheiten anzupassen, starben ab. Einzelnen gelang es jedoch : Sie verbesserten die Möglichkeit, Feuchtigkeit zu speichern um sie in Zeiten der Knappheit zu verbrauchen. Dieser Prozess hat natürlich Millionen von Jahren gedauert und verlief in zwei Phasen. Zuerst entstanden Haare und Wachslagen auf den Pflanzen, vor allem auf Blättern. Speichern und Lagern von Feuchtigkeit war Phase zwei. Die Anpassung bei vielen Kakteen ist perfekt: Es gibt keine Blätter mehr. Noch ein Schrittchen weiter geht die kugelige Form, die einige Kakteen gezwungenermaßen angenommen haben. Ein kugelförmiger Körper hat einen optimalen Inhalt im Vergleich zur Oberfläche. Ein Kugelkaktus hat sich also perfekt an seine natürliche Umgebung angepasst. Es ist bekannt, dass unter gleichbleibenden Bedingungen und beim selben Gewicht ein Kugelkaktus in bestimmten Zeiten 8000 Mal weniger Wasser verdunstet als ein Laubbaum!

Trockenanzeige

Ligularia dentata (Kreuzkraut) zeigt an, wenn Trockenheit droht! Pflanzen mit großen und/oder dünnen Blättern verdunsten viel und werden bei Trockenheit zuerst erschlaffen, ein ausgezeichnetes Beispiel dafür ist Ligularia dentata, auch Senecio clivorum genannt. Diese, übrigens kräftige Pflanze, kann sogar als Indikator-Pflanze dienen. Sobald diese Pflanze Trockenheitserscheinungen zeigt, werden andere ziemlich schnell folgen. Ein Grund, Maßnahmen zu ergreifen.
Ein prächtiges Beispiel einer Pflanze, die sich auf eine besondere Art gegen Trockenheit eindeckt, ist die Stachys byzantina (Ziest), die sehr stark behaarte (es sieht wie weiße Wolle aus) Blätter hat. Durch die Haare wird die Verdunstung stark eingeschränkt.
Daneben sind Pflanzen mit sehr kleinen und schmalen Blättchen, wie Coreopsis verticillata (Mädchenaugen), eine gute Wahl für trockene Gärten. Die schmalen, dünnen Blättchen verdunsten wenig und können darum Trockenheit besser vertragen.

Tiefgehende oder flache Wurzeln

Warum wurzelt die eine Pflanze tief und die andere flach?
Pflanzen in Töpfen nicht mit in Betracht gezogen, besteht bei Gartenpflanzen ein klarer Zusammenhang zwischen Wurzelsystem und Möglichkeiten für die Pflanze, Feuchtigkeit aufzunehmen. Es gibt Pflanzen, die tief wurzeln, und Sorten, die flach wurzeln. Beso
nders auf Böden, bei denen der Grundwasserspiegel tief liegt, hat die letzt genannte Gruppe von Pflanzen es bei anhaltender Trockenheit schwer. Es sind Pflanzen, die ein großes Wassergewinnungssystem haben, da die Wurzeln sich in der Horizontale weit von der Pflanze entfernt verteilen. Von einem Regenschauer profitieren sie schneller als eine Pflanze mit einer tieferen Pfahlwurzel, die gerade nach unten wächst.

Bodenverbesserung lässt einen trockenen Boden mehr Feuchtigkeit speichern

Im Prinzip ist Gießen, in welcher Form auch immer, bei der richtigen Zuordnung von 'angepassten' Pflanzen ausschließlich in Notfällen nötig. Das ist allerdings kein Freibrief, den Boden nicht zu verbessern und das Speichervermögen zu erhöhen. Aber Verbessern ist etwas anderes als Verändern. Trockene Böden, meistens Sandböden, haben nur eine geringes Vermögen, Feuchtigkeit zu halten, im Gegensatz zu Lehm- und Moorböden. Außerdem besteht für Sandböden kaum die Möglichkeit, Wasser aus tieferen Bodenschichten hoch zu saugen (Kapillarwirkung). Hinzu kommt noch, dass sich bei Sandböden Wasser in großer Tiefe befindet. Indem Sie die oberste Lage des Bodens mit organischem Material mischen, wird das Vermögen, Feuchtigkeit zu halten, erhöht (Kompost kann 9 Mal sein eigenes Gewicht an Feuchtigkeit aufnehmen, dagegen Sand 0,02 und Lehm 0,2 Mal!). Für unzählige Pflanzen ist das bisschen Kompost gerade genug, um kurze Trockenperioden gut zu überstehen.