Selbsthaftende Kletterpflanzen: Efeu (Hedera helix)



Kletterpflanzen scheinen jedes Jahr an Popularität zuzunehmen, was gar nicht so sonderbar ist im Hinblick auf die Verstädtelung und den daraus folgenden kleineren Gärten oder durch den Besitz eines Balkones. Durch vertikales Gärtnern, d.h. durch den Gebrauch von Kletterern, sparen wir Platz und umgeben uns trotzdem mit der Illusion von Räumlichkeit in der Natur.

Zu Kletterpflanzen werden sehr viele Sorten Halbsträucher, rankende Pflanzen wie die Clematis, Rosen und einjährige Kletterer gezählt. Im Prinzip ist das nicht richtig, denn all die Sorten gehören eigentlich zu den Leitpflanzen. Sie bedienen sich einer Hilfe - sie lassen sich leiten beim Klettern. Es gibt, gut gerechnet, nur 5 selbsthaftende Kletterpflanzen. Diesen haben Sie nur einmalig eine Stütze in den " Rücken" zu geben z.B. an einer Mauer, Pergola, Gartenpforte oder an einer von Ihnen erstellten Fantasieform. Die Haftwurzeln die an den Ranken entstehen, sind fast kleine "Saugnäpfchen" und heften die Ranken an jede erreichbare Oberfläche. Gibt es nichts woran sie sich heften können, dann suchen sie sich einen Weg als Bodendecker. Sobald die Haftwurzeln mit dem Boden in Berührung kommen, entwickeln sie sich zu normalen Wurzeln. Ein Teil mit gut entwickelten Wurzeln schneiden Sie nach Wunsch von der Mutterpflanze ab. Auf diese Weise können Sie eine Menge neue Jungpflanzen bekommen.

Efeu

Der Efeu gleicht ein wenig einer minderwertigen Pflanze, worüber auch viel negatives "Geschwätz" im Umlauf ist. Trotzdem ist es in Europa eigentlich eine besondere Pflanze, sie kennt nämlich als eine der Wenigen eine Jugendphase und eine voll ausgewachsene Phase. Solange die Pflanze klettern kann, bleibt sie in der Jugendphase. Indem wir sie von Zeit zu Zeit schneiden, bieten wir ihr eigentlich eine ewige Jugend. Der Efeu behält so seine durch die Kultivierung erscheinenden besonderen Eigenschaften. Wenn die Ranken keinen Halt mehr finden um sich anzuheften und wenn gleichsam eine Grenze erreicht ist, ereignet sich etwas Besonderes. Die Pflanze verändert sich äußerlich, sie bekommt Seitentriebe die einen buschigen Wuchs bilden. Die Blätter werden rautenförmig, die Pflanze verliert ihre Möglichkeit Haftwurzeln zu entwickeln und blüht anschließend jährlich im Herbst. Die kugelförmigen Blütenschirmchen bestehen aus vielen kleinen Blüten und sind gelbgrün in der Farbe. Der Nektar ist für Bienen und Schmetterlinge eine Leckerei. Nach der Blüte entstehen grüne Früchte die sich im Laufe des Winters dekorativ schwarz färben. Wenn Sie von diesem voll ausgewachsenen Efeu einen Steckling nehmen, dann bekommen Sie keinen Kletterer sondern einen Strauch. Die Erbanlagen sind verändert. Diese Erscheinung des Efeus wird offiziell Hedera helix "Arborescens" genannt. Sie können diese nicht kletternde Sorte als grünbleibenden Strauch in den Garten pflanzen, er gedeiht auch vorzüglich in Töpfen. Die reichlich wachsenden frischgrünen Stängel mit den Blättern können wunderbar in einen Strauß eingebunden werden, besonders wenn die Früchte schön dunkel gereift sind.
Neben diesem besonderen Faktor gibt es noch viel mehr Gründe um Efeu zu wählen. Es ist eine sehr genügsame, wintergrüne Pflanze die beinahe keine Ansprüche an den Boden stellt, obwohl einige Sorten etwas sauren Boden lieben. Er kann in die volle Sonne, in den Halbschatten und in den Schatten gepflanzt werden.

Jeder kennt Efeu aus dem Wald mit seinen prächtig tiefgrünen Blättern und der dreieckigen Form. Es gibt unzählig viele Varietäten allein was die Blattform und Größe betrifft: herzförmig, tief eingeschnitten, beinahe rund, fünfspitzig, gekräuselt, gepunktet, glänzend, matt, hellgrün oder es gibt Blätter mit hellgelben Rändern, blaßgelben Blättern mit grünen Flecken, tiefgrüne mit einem helleren gelben Kern, gräuliche Blätter, sie sind alle zusammen Stück für Stück Schmuckstücke. Und dann haben wir noch nichts über die Blattgröße gehört. Diese kann zusammen mit allen Farbvariationen und Formen enorm differieren. Sie sind von wenigen Zentimetern bis zu 15 cm groß.
Für jeden Platz und für jeden Geschmack ist eine Sorte zu finden. Die grünen Sorten sind sehr schön an einer sonnigen Mauer oder einem Zaun, vor allem wenn Sie eine
Kletterrose daran blühen lassen. Die Blüten kommen vor dem grünen Hintergrund noch besser zur Geltung und das Sonnenlicht läßt die glänzenden Blätter noch schöner erscheinen. Die bunten Kulturen, so wie die fast weiße Hedera h. Kolibri mit grünen Tupfen, die cremeweiße Hedera h. Eva mit einem gelben Rand und die goldgelbe Hedera h. Goldheart mit einem hellen grünen Rand leben an einem schattigen, dunkleren Platz enorm auf.

Damit Ihre "grüne" oder "bunte" Mauer schön bleibt und nicht zu dick wird, müssen sie dafür sorgen, daß regelmäßig mit einer Heckeschere geschnitten wird. Schneiden Sie rechtzeitig neue Ranken, die sich Richtung Fensterrahmen oder andere gestrichenen Holzteile entwickeln. Wenn Sie zu spät sind, hinterlassen die Haftwurzeln häßliche Flecken. Rechtzeitiges Schneiden unter der Dachrinne erspart viel Ärger! Nun noch zu dem "Gerücht", daß Efeu die Fugen Ihrer Mauern angreift. Das passierte früher häufig, als noch viel mit kalkigem Mörtel verfugt wurde. Bei Häusern die nach 1920 gebaut wurden, haben Sie nichts zu befüchten. Zeifeln Sie an der Qualität Ihrer Fugen, dann kratzen Sie mit einem Messer in einer Fuge. Entstehen deutlich tiefe Spuren, dann entscheiden Sie sich besser für einen anderen Kletterer oder besser gesagt, für eine Leitpflanze. Sind die Fugen in gutem Zustand, dann kann eine Wand, bewachsen mit einem Efeu, sogar eine isolierende Wirkung haben. Regenwasser läuft an den Blättern herunter und erreicht die Mauer nicht.

Efeu läßt sich auch prima zu allerlei Formen schneiden. Z.B. als Kugel oder Spirale und sogar Tierfiguren sind möglich. Hierfür können Sie am besten eine kleinblättrige Kultur wählen, z.B. den Hedera h. Baltica. Stecken Sie die vorgeformte Drahtfigur in die junge Pflanze und leiten Sie sie daran entlang. Alles was aus der Form wächst, schneiden Sie weg. In einem straffen formalen Garten ist der Efeu auch sehr gut als Vierkant zu manipulieren. Hierfür machen Sie von einigen Balken und Hühnerdraht einen Rahmen, pflanzen Sie an jede Ecke eine Pflanze und binnen ein paar Monaten haben Sie einen wintergrünen Würfel.
Noch eine kreative Idee ist es, dicke Taue wie eine Girlande in zierlichen Bögen zwischen Pfähle zu befestigen oder sogar an Ihrem Giebel. In diesem Fall müssen Sie den Efeu leiten um die neuen Triebe um die Taue schlängeln zu lassen. Das regelmäßige Schneiden kann eine arbeitsintesive Aufgabe sein. Der Effekt ist aber sehr eindrucksvoll.